„Venus mit dem Honig stehlenden Amorknaben“

So wie Ideale und Überhöhungen versklaven können, so erlösen sie auch – nämlich mittels der mit ihrem Ausstehen also nicht ganz unmöglichen Besserung.

Das jedenfalls musste ich neulich beim Wiederansehen des Bildes eines meiner Lieblingsmaler denken, bei dem mich, obwohl etliche Male betrachtet, zuerst immer noch einmal ein leicht schwindeln machendes Nichtverstehen überkommt.

Und die Szene mit dem kleinen Jungen im Städel fällt mir ein, der mit offenem Mund vor dem subtil ausstrahlenden, überlebensgroßen Gemälde gestanden hatte, sich die Unterlippe leckend vor Eifer an Betrachtung jenes möglichen Anderen seiner selbst neben der unwirklichen, in nichts verhüllenden Schleiern umso paradiesisch nackteren Frau.

Nicht weit von ihm seine Mama, einem der quäkend seinen Kunst-Honig ausschüttenden Informations-Walkmänner lauschend, um sich die eigenen Augenblicksgeister an solchem vielleicht nicht ganz falschen, aber sicher nicht annähernd süßen Fliegenpapier kleben machen zu lassen. War sie nun aufgeklärter oder um so mehr umfangen von fadenscheinigen Schleiern einer Wissensillusion?

Dem Knaben fiel gar nicht ein, sie zu befragen. Er war fähig das Unmittelbarere zu schauen einer in der Hermetik ihrer Erscheinungen oft umso durchscheinenderen Welt.

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