„Nacht der Substanz“

Seit dem Wochenende Überlegungen, wie es möglich wäre, Walter Benjamins „Gerettete Nacht“ (in der Lesart Agambens) und Kittlers „Nacht der Substanz“ miteinander zu verbinden. Beider Ideen, dass es nur das Außermenschliche sein kann, aus dem sich noch Wahrheitsmomente entbergen lassen. (Und Gumbrecht weist hier zu recht auf die Potenziale da auch noch des ollen Heidegger hin.)

Unsystematisch wie meine Entdeckungs- und Herangehensweisen seit Längerem sind – die mich dann trotzdem auf solche Texte stoßen lassen -, merke ich, dass mir eben das Tiefenwissen fehlt (womöglich das griechische – denn auch bei Kittler gab es ja die letzte Kehre zurück zum Griechentum), um dann doch zu Zusammenführungen zu kommen – und sei es über umweghafte, unkonventionelle Kurzschlüsse.

Doch spüre ich eben auch die sehr lebendigen, die kleinen zwischendurch-erhellenden Erregungsernergien im Denken, die, einmal ausgelöst, für sich im Untergründigen arbeiten und eine positive Unruhe bereiten und noch Ergebnisse versprechen. Wie das Sitzen an einem Essay, von dem man nicht weiß, wohin man mit ihm geraten wird.

Oder – und das passiert mir tatsächlich gerade – mit einer Erzählung, die sich einem unter der Hand verändert und einen abwechselnd frustriert und wieder erregt und sich, trotz absehbar aufregender Möglichkeiten, auch etwas ohnmächtig fühlen lässt: mit der „anthropologischen Maschine“ (Agamben) der Erzählung nahe etwas „Unrettbarem“ (Benjamin) und darin zugleich doch auch in etwas Größerem, Aufregenderem aufgehoben.

Der Text wird dann eben mal wieder klüger gewesen sein als ich. Und die Wege dahin zu kommen verschlungener … nächtlicher.

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Nachtrag:
„Die Leidenschaft Mozarts für Zoten, für Erotisches, für schweinische und rohe Ausdrucksweise … Er hatte schwarze Reserven, ein eigenes Inferno unreiner Klänge, die er in der Kammer der Engel in paradiesische Vollkommenheit umwandelte – seine nigredo und albedo.“ (Ceronetti)

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